5 Schritte vom ungewolltem JA zu einem klaren NEIN

Immer bleibt alles an mir hängen. Wieder einmal habe ich JA gesagt ohne es wirklich zu wollen. Aber was hätte ich auch tun sollen? Der Termin steht und muss gehalten werden. Die Pönale ist hoch, wenn wir die vereinbarten Fristen nicht einhalten und ich bin als Projektleitung dafür verantwortlich.

Und wieder einmal sitze ich eine weitere lange Nacht im Büro an meinem Schreibtisch.

Eigentlich wollte ich dieses Mal ganz sicher NEIN sagen. Wieder einmal nehme ich das Telefon in die Hand und sage die Verabredung mit meinem Partner ab. Die Enttäuschung in seiner Stimme ist nicht zu überhören. Ich fühle mich schlecht, der Stress und all meine Probleme scheinen mich wieder einmal zu überrollen.

Aber wie schaffen wir es, an den richtigen und wichtigen Stellen klar und höflich, aber unumwunden NEIN zu sagen?

Schritt #1 – Gründe: Warum sagst du Ja, wenn du eigentlich Nein sagen willst?

Vielleicht sagst Du ja, weil Du andere Menschen nicht enttäuschen willst, Du Angst hast vor möglichen Konflikten oder vielleicht auch aus Angst etwas Wichtiges für deine künftige Karriere zu verpassen, dass andere den Job nicht so gut erledigen wie du, oder du vielleicht plötzlich als Low-Performer gelten könntest. Die Gründe sind vielfältig.

Für mich war es wichtig zu verstehen, dass mein Ja nicht immer so uneigennützig war, wie ich das oft selbst geglaubt habe. Mein Ja hat mir das Gefühl gegeben gebraucht zu werden, als Expertin gesehen zu werden und hat mir so viel Anerkennung von den Projektmitgliedern gebracht. Es war genau die Anerkennung, die ich mir selbst nicht geben konnte.

Was ist dein Nutzen, wenn du Ja sagt? Schau mal genauer hin.

Schritt #2 – Stopp: Lerne dir Raum für eine Entscheidung zu verschaffen.

Wenn wir seit 20, 30 oder mehr Jahren gewohnt sind Ja zu sagen, dann ist das eine Gewohnheit und über Gewohnheiten denken wir nicht nach. Der Trigger kommt, in diesem Fall die Frage, und wir antworten wie gewohnt mit Ja. Um das zu ändern, brauchen wir einen Muster-Unterbrecher. Schaffe dir Raum. Antworte nicht gleich. Verschiebe die Antwort, damit du dir Zeit verschaffst, dir zu überlegen, was dich ein Ja tatsächlich kostet.

Was kannst du nicht tun, wenn Du Ja sagst? Musst Du wieder deinen Partner, deine Kinder vertrösten, hast du keine Zeit für Sport, gesunde Ernährung, für Dich? Was ist der Preis dieses Jas und bist du tatsächlich bereit diesen Preis zu zahlen?

Schritt #3 – Aufgabentrennung: Höre auf die Verantwortung für alles und jeden zu übernehmen.

Wem gehört diese Aufgabe, zu der Du gerade Ja gesagt hast? Ist es wirklich Deine? Oder machst du Sie nur, weil es sonst keiner tut, oder Du es besser kannst als andere?

Ich habe in der Zeit, in der ich meine Erschöpfung aktiv vorangetrieben habe, geglaubt, dass, wenn ich nur 5% mehr leiste, dann wird alles gut und alles läuft rund. Also habe ich alle Aufgaben von anderen übernommen, die sonst keiner getan hat, nicht schnell genug erledigt wurden oder es (in meiner Vorstellung) kein anderer wirklich konnte.

Erst als ich in einem Business Coaching die Gelegenheit hatte, von außen auf meine Situation zu blicken, habe ich erkannt, dass ich die Aufgaben von 4 bis 5 Personen gemacht habe und dies auch mit 5% mehr Einsatz nicht machbar war.

Schritt #4 – Los geht’s: Lerne wie Du Dein NEIN an der passenden Stelle und auch noch höflich in die Welt bringen kannst.

Und dann heißt es tatsächlich Nein sagen. An dieser Stelle braucht es Mut.

Du kannst dich mental vorbereiten. Alles, was du in Gedanken schon einmal durchgespielt hast, ist wie reales Üben. Unser Gehirn kann nämlich nicht unterscheiden, ob wir etwas wirklich tun oder ob wir nur darüber nachdenken. Deshalb mache es wie die Skifahrer und stell dir genau vor, wie du es beim nächsten Mal machen willst.

Schritt #5 – Denke nach: Was passiert, wenn du weiterhin immer Ja sagst?

 

Für mich hat es den Weg in die Klinik bedeutet und ein handfestes Burnout. Und ich habe gelernt, dass es nicht die Aufgabe der anderen ist mich davor zu bewahren, sondern dass es meine Aufgabe ist.

Und dass die Kollegen Ihre Aufgaben in einer passenden Zeit und Qualität erledigen, ist die Aufgabe der Kollegen, nicht meine. Denn wie sollen jemand erkennen, dass es einer Änderung bedarf, wenn wir immer alles korrigieren oder sogar vollständig erledigen?

Und ein letzter und vielleicht der wichtigste Tipp

Wir müssen wissen, was uns wichtig ist. Für was stehen wir jeden Tag auf? Was bereichert unser Leben und was tun wir vielleicht nur, weil wir glauben, dass es von uns erwartet wird. Ein Zitat von Stephen Covey trifft dies auf den Punkt.

“Du musst entscheiden, was deine höchsten Prioritäten sind und den Mut haben – freundlich, lächelnd, nicht entschuldigend -, zu anderen Dingen Nein zu sagen. Und die Art und Weise, wie du das tust, ist ein größeres Ja, das in dir brennt.”

Seit ich weiß, was mir wichtig ist und was nicht, werde ich Tag für Tag freier an den richtigen Stellen NEIN zu sagen.

Ich freue mich über deine Kommentare, Anmerkungen und Fragen.

Herzliche Grüße,

Wenn du lernen willst wie du gesunde Grenzen setzt, findest du meinen Online Kurs „Einfach öfter Nein sagen!“ auf der LIVEHackademy von Meike Hohenwarter gemeinsam mit vielen anderen spannenden Kursen aus allen Lebensbereichen.