Auf der Überholspur

Die Geschäfte laufen gut. Auch Privat alles völlig entspannt. Trotz der angeblich so berüchtigten Übergangsklasse meiner Tochter lief das Schulische wunderbar und völlig unaufgeregt. Unsere Beziehung haben wir nach 16 Jahren auf „solide“ Füße gesetzt und auch vor dem Gesetz sind wir nun Mann und Frau und wir verstehen uns besser denn je.

Kurzum, ich bin stolz auf alles, was wir gemeinsam erreicht haben, und was ich für mich und mein Business alles geschaffen habe.

Ein winziges Lebewesen bringt alles zum Erliegen

Die ganzen letzten Wochen habe ich mich von dem Thema Corona nur wenig bis gar nicht beeindrucken lassen. Ich hatte auch keine Lust mich in die Diskussionen, Belehrungen und schlauen Sprüche einzureihen. War froh über alle Veranstaltungen, die noch stattgefunden haben.

Ich kann auch die Menschen gut verstehen, die Angst habe und sich schon früh zurückgezogen haben, und ich verstehe auch die Menschen, die der Meinung waren, so schlimm kann es ja nicht werden. Egal ob Vogelgrippe oder Schweinegrippe, es gab meist viel Aufregung und die Wenigsten von uns haben tatsächlich irgendwelche Auswirkungen zu spüren bekommen.

Ich bin eine Verfechterin von Vertrauen, Liebe und das Unvermeidbare anzunehmen und das Beste daraus zu machen, was uns das Leben vor die Füße legt.

Und auch ich bin durch Zeiten gegangen, in denen ich dieses Vertrauen und den Blick aufs Positive völlig verloren hatte und ein Ausweg für mich weder sichtbar noch denkbar war.

KW 11: Ein Glück, die Veranstaltungen finden statt

Ich fühle mich beseelt. Der Workshop am Donnerstag in Nürnberg findet statt, wenn auch vor reduzierten Teilnehmern, da sich die Reisebestimmungen des Unternehmens bereits geändert hatten. Es war wie immer ein Fest für mich und ich bin voller Adrenalin und Freude wieder nach Hause gefahren.

Ein Teilnehmer hat mich gefragt, für wie resilient ich mich nach dem Verlassen meines Unternehmens eingeschätzt habe und wie ich mich heute einschätze. Ich hatte für die Teilnehmer eine Skala von 0 bis 10 zur Einschätzung aufgezeichnet.

Wie resilient bin ich?

Ich musste erst kurz nachdenken. Und tatsächlich am Anfang meiner Selbstständigkeit musste ich noch sehr gut auf mich achten und ich habe meine Grenzen noch nicht so gut wahren können. Auch bezüglich der Akzeptanz von dem, was ist, hatte ich ab und an meine Schwierigkeiten. Ich musste am eigenen Leibe erfahren, dass wir uns immer selbst und unsere Muster mitnehmen.

Manches liegt am System und manches liegt auch in uns.

Das war meine Antwort: Heute würde ich meine Resilienz auf 9 setzten. Ich habe mittlerweile gelernt die Dinge zu nehmen wie es kommt, die Verantwortung für mich und mein Handeln zu übernehmen und das Beste daraus machen.

Warum nicht 10? Ich denke es gibt immer noch Situationen, die ich nicht erlebt habe und in denen ich meine Reaktion nicht vorhersagen kann.

Immer noch KW 11: Die Vollbremsung

Am Morgen nach dem Workshop kam die Nachricht der Schulschließungen. Wow. Das war im ersten Moment durchaus eine Botschaft, die ich verdauen durfte. Okay, das verändert alles. Und ich war selbst überrascht über meine Emotionen, wobei ich es doch erwartet hatte.

Also üben, was ich gelernt habe: das Gefühl einfach nur achtsam wahrnehmen. Ich bin immer noch überrascht, wie schnell sich diese Gefühle immer wieder auflösen und es sofort wieder leicht wird.

Gut, dann machen wir Schule zu Hause und verbringen viel Zeit als Familie. Wann haben wir schon mal die Gelegenheit dazu.

Am Sonntag wurde unsere Tochter krank. Erhöhte Temperatur, schlapp und etwas Halsschmerzen. Okay, weiterhin Ruhe bewahren und überlegen, was ist zu tun?

Und davor noch einmal: das Gefühl einfach nur achtsam wahrnehmen. Beobachten, wie sich das Gefühl auflöst und es wieder leicht wird.

KW 12: Annehmen, was ist, und loslassen, was nicht mehr ist

Sehr schnell haben wir herausgefunden, dass wir in Anbetracht der Situation voraussichtlich nicht die Möglichkeit haben werden einen Test zu machen, um Klarheit zu bekommen. Wir werden uns 14 Tage aus dem sozialen Leben zurückziehen und alles absagen, was nicht eh schon abgesagt wurde. Liebe, Zeit, Vertrauen stärken.

Anfang der Woche kamen auch die erwarteten Absagen der Präsenzworkshops. Das bedeutet für mich als Selbständige kein Einkommen. Auch habe ich Unternehmen als Kunden, die in dieser Zeit besonders schwer gebeutelt werden, das heißt voraussichtlich auch keine schon fest eingeplanten Folgeaufträge mehr in diesem Jahr.

Wow. Auch das will verdaut werden. Es ist interessanterweise immer wieder ein Unterschied zu wissen, dass die Absage kommt und sie selbst in Empfang zu nehmen.

Ruhe bewahren und im Vertrauen bleiben

Einmal mehr: das Gefühl einfach nur achtsam wahrnehmen. Beobachten, wie sich das Gefühl auflöst und es unmittelbar wieder leicht wird.

Und wenn wir diese Situation gemeistert haben, hat sich auch unsere Resilienz wieder einmal gesteigert. Es sind die schweren Zeiten in denen wir wachsen und stark werden.

Was bedeutet eigentlich Resilienz in Zeiten von Corona?

Betrachten wir die sieben Säulen, welche resiliente Menschen besonders auszeichnen im Einzelnen.

Akzeptanz

Ich kann die Situation nicht wirklich ändern und dem Virus keinen Platzverweis erteilen. Also heißt es annehmen, was ist, und loslassen, was gerade nicht ist.

Verantwortung

Verantwortung übernehmen bedeutet für mich nicht die Schuldigen im Außen zu suchen, weder dem Corona Virus die Verantwortung für meine zugegebener Maßen herausfordernden Situation zugeben, noch andere Menschen für Ihre Ängste zu verurteilen.

Ich übernehmen die Verantwortung für mich selbst, in dem ich nach Lösungen und neuen Wegen Ausschau halte.

Wir übernehmen die Verantwortung für unsere Familie, in dem wir uns liebevoll um einander kümmern, die Zeit gemeinsam genießen und sich jeder zurückziehen kann, wenn er Zeit für sich braucht.

Wir übernehmen die Verantwortung für die Gesellschaft, in dem wir jeglichen Kontakt meiden, solange nicht sicher ist, was den Infekt unserer Tochter ausgelöst hat. (Anmerkung: Das Fieber ist weg und alle anderen Familienmitglieder sind gesund. Ich bin sehr dankbar.)

Lösungsorientiert

Was ist zu tun? 

Was ist zu tun, um beruflich das beste aus der Situation zu machen? 

Was ist zu tun, wie können wir an dieser Erfahrung persönlich und als Familie wachsen?

Wie können wir es uns zu Hause so gemütlich machen, damit wir die Zeit trotz allem oder gerade deshalb genießen können.

Selbstwirksamkeit

Wir werden sicher keine Langeweile haben. Auch zu Hause können wir arbeiten, lernen, spielen, meditieren, Yoga machen, die Sonnen genießen, lachen und uns des Lebens freuen.

Beziehung gestalten

Wir gestalten und stärken bewusst unsere Beziehung als Familie. Mit Freuden über das Telefon oder über das Internet gibt es viele Möglichkeiten mit anderen Menschen in Kontakt zu treten und zu bleiben.

Zukunft gestalten

Wir machen jetzt Schule, Yoga, Vorbereitungen, neue Pläne, neue Konzepte, Aufräumarbeiten und was sich sonst noch alles findet, um entweder während Quarantäne oder spätestens danach wieder voller Energie und gut sortiert durchzustarten.

Optimismus

Ich bin mir sicher, wir werden es gut meistern. Wir werden als Paar, als Familie und jeder wird für sich, gestärkt aus dieser Situation hervorgehen.

 

Ich würde sagen, in diesem Fall sind es 10 von 10 möglichen Punkten in Sachen Resilienz bezüglich des Corona Virus.

 

Ich wünsche dir viel Resilienz, viel Liebe und Vertrauen für eine gesunde und lebenswerte Zeit.

 

Herzliche Grüße,