Burnout ist in der westlichen Welt ein weit verbreitetes Phänomen. Etwa jeder Vierte hat im Laufe des Lebens mindestens einmal eine Angsterkrankung im klinischen Sinne. Frauen sind doppelt so häufig betroffen wie Männer.

Oft wird die Ursache einer übermäßig hohen Arbeitsbelastung zugeschrieben. Eine private Krise kann jedoch genauso und oft lange Zeit unbemerkt in einen Burnout führen.

Susanne Ertle zählt in diesem Gastartikel sehr offen und mit viel Emotion über ihr Burnout im Babyglück und wie sie diese tiefe Krise genutzt hat, um heute ein glückliches und erfülltes Leben zu führen. Liebe Susanne vielen Dank für diesen wunderbaren Artikel. Ich wünsche mir, dieser Artikel erreicht ganz viele Mütter, die sich in einer ähnlichen Situation befinden.

 

Wenn eine tiefe Krise zur Chance wird

Gerade dachte ich noch: „ Juhuu, ich bin schwanger! Endlich werden wir eine richtige Familie.“ und schon im nächsten Augenblick zerbrach von einem Moment auf den anderen alles: meine Beziehung, meine Lebensfreude, ich selbst.

Menschen, die du liebst, haben die besondere Gabe, ganz tief sitzende Abgründe und Ängste gnadenlos aus dir herauszuholen.

Ich wunderte mich, warum mein sonst so aufmerksamer Partner mir und meinem plötzlich unerklärlichem Unwohlsein keine Beachtung schenken kann. So griff ich zum Laptop, hackte mich in seinem Facebookprofil ein und las live mit, wie er sexuelle Phantasien mit seiner Sportkameradin austauschte, ihr schrieb wie schön es doch neulich für ihn war, in ihren Armen zu liegen, er sie am liebsten geküsst hätte, und sich schließlich mit ihr zum erotischen Picknick verabredete.

Rumps.

Meine komplette heile Welt brach plötzlich in sich zusammen. Sämtliche, mir nicht dienliche Überzeugungen, Glaubenssätze, aber auch eine bisher unbekannte kämpferische Löwenmama traten ungefiltert und mit voller Wucht ans Tageslicht.

„Eine Familie besteht immer aus Mutter, Kind UND Vater.“

„Mein Partner ist die Ehrlichkeit in Person.“

„Ich bin es meinem Kind schuldig, zu kämpfen.“

„Es ist meine Pflicht und Verantwortung, die Familie zusammenzuhalten – komme was wolle.“

„Ich schaffe es nicht alleine.“

„Eine Mutter kennt keine eigenen Bedürfnisse. Ab jetzt geht das Kindeswohl immer vor.“

„Ich bin nicht gut genug.“

„Ich bin zu hässlich, zu dick, habe zu kurze Haare und Hängebrüste.“

„Ich bin es nicht wert.“

Damals verstand ich noch nicht, dass diese uralten, oft noch kindlichen Wunden überhaupt nichts mit meinem Partner zu tun hatten.

Wir brocken uns oft selbst die eigene Suppe ein…

Also versuchte ich, die perfekte Frau zu sein, nach der es meinem Partner gelüstete. Ich versuchte, die perfekte Mama zu sein, die ein Kind erwartet und verdient. Ich verhielt mich und handelte gegen meine eigenen Werte, Bedürfnisse und meinem Gefühl.

Wenn ich spürte, dass mein Partner sich gerade wieder von mir entfernt, er mir aber sagte, dass das nicht so sei, dann traute ich ihm bzw. seinen Worten mehr, als mir und meinem eigenen Gefühl. Ich war überzeugt davon, ich würde Hirngespinste sehen und fühlen. Ich glaubte, meine Schwangerschaftshormone beeinflussen mich und ich dachte, ich funktioniere nicht mehr richtig.

Mein ganzer Organismus wurde von Schuldgefühlen nur so überflutet. Ich empfand Schuld gegenüber meinem Kind im Bauch, dass ich es diesen Adrenalinstößen und den permanent miesen Gefühlen aussetzte. Ich fühlte mich gegenüber meinem Partner schuldig, weil ich es offenbar nicht schaffte, seinen Ansprüchen zu genügen. Und ein enormes Schuldgefühl überkam mich in Gegenwart anderer Frauen und Freundinnen, die schon so lange vergeblich versuchten, ein Baby zu bekommen.

Meine letzte Kraft kostete es mich, im Geburtsvorbereitungskurs, unter Kolleginnen und Freunden, ja sogar gegenüber unbekannten Menschen auf der Straße ein glückliches und harmonisches Bild aufrechtzuerhalten. Denn irgendwie erwartet jeder von einer Schwangeren, dass sie ständig freudestrahlend durch die Gegend läuft.

Aber eine Löwin kämpft bis zum Ende.

Mein Ende war nach zwei Nervenzusammenbrüchen gekommen. Ich sah keinen Sinn mehr im Leben. Alles, was ich noch verspüren konnte, waren Schmerz, tiefe Traurigkeit, Wut und Hass. Das wollte und konnte ich meinem ungeborenen Sohn nicht antun. Deshalb beschloss ich (unbewusst), nichts mehr zu fühlen.

Da saß ich nun: hochschwanger in der eigentlich für eine Frau glücklichsten Zeit in ihrem Leben und befürchtete, bald ohne Partner dazustehen. Denn mein Partner wollte nicht diese perfekte Frau, die unerreichbar für ihn zu sein scheint, er wollte mich. Mein Baby brauchte keine perfekte Mama, sondern es brauchte mich. Aber, wo war ich nur geblieben?

Meinen Zustand konnte ich vor meinem Umfeld nicht mehr geheim halten. Fassungslosigkeit, Unverständnis, eine Million gut gemeinter Rat-Schläge beförderten mich zunächst immer tiefer in mein Loch. Ich war es gewohnt, vorrangig anderen gerecht zu werden. Ich befolgte blindlinks sämtliche Ratschläge, auch wenn sie sich wiedersprachen.

Ich war wie eine Marionette.

… bis zwei neue Menschen geboren wurden: Mein Sohn Leo und ich.

Dieser winzig kleine Mensch schaffte es binnen ein paar Sekunden, dass ich erkannte, wie schön das Leben sein kann. Er löste in mir erstmalig seit langem wundervolle, positive Gefühle aus. Wärme, Strahlen, Grinsen… Alles um uns herum wurde beinahe bedeutungslos. Ich begriff, was diese ominöse bedingungslose Liebe, von der immer alle sprachen, wirklich bedeutet.

Als er 6 Wochen alt war, wurde ich Alleinerziehende und fing an, nicht nur ihm Dinge beizubringen, sondern beobachtete ihn intensiv und lernte von ihm. Da sonst niemand im Haus war, war ich gezwungen, mit mir selbst zu leben. Anfangs hatte ich keine Zeit zu essen. Ich stand auf, wenn mein Sohn schrie und legte mich hin, wenn er wieder schlief.  Einen Satz hörte ich besonders oft von anderen Frauen: „Ja, als Mutter ist man ganz schön abhängig von so einem kleinen Wurm. Der bestimmt dein ganzes Leben.“

Da wurde mir mal so richtig klar, dass ich die ganze Zeit völlig abhängig war.

Abhängig von

  • meinem Partner, denn: hatte er gute Laune, ging es mir gut. Lief es nicht harmonisch, befand ich mich im Gefühlschaos. Kam er mir nahe, war meine Welt in Ordnung. Entfernte er sich von mir, ging es mir richtig beschissen.
  • meinem Kind, denn: es diktierte meinen kompletten Tagesablauf, ja sogar wann ich aß und schlief. Es beeinflusste all meine Entscheidungen, da ich mich ausschließlich in der Mutterrolle befand.
  • meinen Eltern, denn: ich kämpfte als 32-jährige noch immer nach deren Gunst, Liebe und Aufmerksamkeit. Ich war auf deren Hilfe angewiesen.

Als ich das kapierte, begann ich verantwortungsbewusst und ganz langsam wieder auf mich und meine eigenen Bedürfnisse zu achten. Ich aß, wann immer ich Hunger verspürte, ich schaute im Fernsehen an, was mir gefiel und ging ins Bett, wenn ich müde war. Ich traf täglich zig eigene Entscheidungen und bemerkte: je selbstbestimmter ich lebte, desto besser ging es mir. Und umso besser es mir ging, umso ruhiger wurde mein Kind.

Ich beschäftigte mich intensiv mit Psychologie und investierte in mich und neues Wissen. So machte ich auch eine Ausbildung zur Stress- und Burnoutpräventionsberaterin, in der mir erst so richtig bewusst wurde, dass ich selbst mitten in einem Burnout saß und es gar nicht mitbekommen hatte.

Warum erzähle ich dir heute meine persönliche Geschichte?

Noch vor 3 Jahren hätte ich mir im Leben nicht vorstellen können, anderen Müttern dabei zu helfen, das Leben ihrer Träume zu führen. Und genau das ist heute meine Berufung. Und ganz nebenbei: Meine Familie ist nach über 2 Jahren wiedervereint. Leos Papa und ich genießen aktuell eine harmonische Beziehung.

Ich wünsche dir von Herzen, dass du deine Krisen als Chance wahrnehmen kannst und diese zu deinen Gunsten fortan nutzt.

Ich bin Susanne Ertle, Autorin, Stress- und Burnoutpräventions­beraterin sowie Mutter. Ich liebe es anderen Müttern dabei zu helfen, verantwortungsbewusst für eigene Bedürfnisse einzustehen und das Leben ihrer Träume zu führen. Sollte das auch dein Wunsch sein, oder möchtest du Klarheit bekommen, dann freue ich mich, dich kennenzulernen.

Schreib mir gerne eine E-Mail an lernen@susanne-ertle.de oder vereinbare einen Termin für ein persönliches Gespräch unter https://susanne-ertle.youcanbook.me

Meine vollständige „Krisen-Geschichte“ findest du im Buch „Burnout im Baby-Glück?“ https://www.amazon.de/Burnout-im-Baby-Gl%C3%BCck-Susanne-Ertle/dp/373453383X