Warum ist es manchmal so anstrengend etwas zu ändern?

Das Gerüst meines Lebens ist dabei vor meinen Augen zusammenzubrechen. Mein Körper mach nicht mehr wirklich mit. Immer öfter beklagt er sich durch Kopfschmerzen, Übelkeit, Magenkrämpfe und Verdauungsprobleme und eine unendlich große Müdigkeit macht sich in mir breit.

Auch die fröhliche und abenteuerlustige Silke gibt es nicht mehr. Alles in meinem Kopf dreht sich um dieses Projekt. Alles ist ein Kampf und es ist keine Unterstützung in Sicht. Immer öfter passiert es mir, dass ich weinend den Raum verlasse. Selbst im Kundengespräch konnte ich mich nicht mehr beherrschen und bin mit Tränen in den Augen weggelaufen.

Nun sitze ich hier bei einem Coach und begreife zum ersten Mal, dass ich etwas ändern muss. Aber was und wie? Ich habe doch jetzt schon keine Kraft mehr. Die drei Tage, die ich mit meinem Coach verbracht habe, haben die Grundlage zu meiner Veränderung gelegt und waren doch nicht die Initialzündung für mein neues Leben.

Ich habe das, was ich in diesen Tagen gelernt habe, nie vergessen. Trotzdem habe ich es nicht geschafft es damals in mein Leben zu integrieren. Was war der Grund dafür?

Grund #1: Ich bin doch hier das Opfer!

Ich habe immer einen Weg gesucht, um die Situation im Außen zu verändern. Ich habe versucht meinen Mitmenschen zu erklären, wie sie sich verhalten müssen, dass es mir bessergeht. War doch mein Job Schuld an meinem Burnout.

Wenn ich endlich Unterstützung von meinem Unternehmen bekomme, dann geht es mir besser. Wenn der Kunde endlich nicht mehr so schwierig ist, dann geht es mir besser. Wenn mein Partner endlich mehr Verständnis für mich und meine Situation aufbringt, dann endlich geht es mir besser.

So habe ich mir von meinem Coach eine Betriebsanleitung für meine Mitmenschen erhofft. Doch es kam ganz anders. In den drei Tagen ist es mir zum ersten Mal gedämmert, dass der Grund für meine Erschöpfung vielleicht doch in mir selbst liegt. Und dass das Außen nur ein Spiegel meiner eigenen Haltung ist.

Was ich damals nicht verstanden habe, ist, dass das Wissen alleine nicht reicht.

Grund #2: Ich bin halt so.

Es gab noch weitere Gründe, die ich im Rückblick gefunden habe. Ich habe damals mein erlerntes Verhalten als meine Identität begriffen. Meine Begründung für mein Verhalten war sehr oft: „Ich bin halt so.“

  • Ich bin ein impulsiver und gerechtigkeitsliebender Mensch. Wenn ich mich über jemanden ärgere oder jemand ungerecht behandelt wird, dann muss die Wut halt raus.
  • Ich mag es nun mal, wenn alle zufrieden sind, und Kritik nehme ich persönlich.
  • Ich bin jemand, der gerne fünf Aufgaben gleichzeitig erledigt und ständig etwas zu tun hat. Langeweile ist etwas für andere Leute. Schlafen kann ich noch im Altenheim.

Dieses Denken machte mich starr und unbeweglich. Wenn ich so bin, dann ist jede Änderung automatisch ausgeschlossen. Ich kann ja nichts dafür. Ich bin halt so.

Eine Identität macht unser Weltbild statisch

Als ich mit meiner Identität an die Grenze des Gesunden gekommen bin, konnte ich erst einmal nichts dagegen unternehmen. Ich bin ja so. Und ich musste meine Identität schützen. Wenn ich meine Identität verliere, wer bin ich dann noch?

Die Not wurde immer größer. Der Wunsch, dass mich mein Umfeld endlich versteht und sich das Außen ändert, war unermesslich groß. Der vollständige Zusammenbruch schien immer unausweichlicher.

Erst als ich verstanden habe, dass ich nicht der Mensch bin, der es allen Recht machen muss, habe ich verstanden, dass es lediglich ein erlerntes Verhaltensmuster ist, das sich tief in meinem Gehirn und auch in meinen Körper eingeschliffen hat. Die gute Nachricht war: mein Verhalten kann ich ändern. Auch wenn es dazu Zeit und vor allem eines braucht: Übung, Übung, Übung.

Grund #3: Immer wieder diese Blockaden

Ein Satz, der mich durchaus vor einiger Zeit etwas aus dem Gleichgewicht gebracht hat.

„Es gibt keine Blockaden.“ (Veit Lindau)

Aahaa. Nun arbeite ich seit vielen Jahren an meinen Blockaden und jetzt kommt jemand wie Veit Lindau daher und behauptet, es gibt keine Blockaden. Und das interessante ist, dass alles in mir „ja“ schreit.

Ja, genauso ist es. Meine ungeliebten Muster sind nur kunstvolle Gebilde, erdacht von meinem Unterbewusstsein, um ein stabiles System zu garantieren. Durch meine Muster bestätige ich mir meine Glaubenssätze, welche ich als Kind gelernt habe, Tag für Tag, Monat für Monat und Jahr für Jahr immer wieder.

Glaubenssätze können uns regelrecht an die Kette legen

Gelegentlich kreist auf Facebook das Bild eines Pferdes, angebunden an einen windigen Plastikstuhl. Das Pferd steht unbeweglich neben dem Stuhl und kommt nicht mal auf die Idee wegzulaufen. Es ist ja angebunden.

Als junges Fohlen war es sicherlich auch schon angebunden. Damals an einem festen Pfahl. Es hat mit hoher Wahrscheinlichkeit immer wieder versucht sich zu befreien. Bei jedem Versuch hat es der Strick zurückgehalten. Irgendwann hat es ganz einfach resigniert. Heute reicht ein loser Strick, um ein kräftiges Tier an einen Plastikstuhl zu fesseln.

Genauso wie dieses Pferd war ich selbst. Ich war fest gebunden an meinen Beruf, an meinem Projekt, an meiner inneren Haltung, an meinem Verhalten. Die Welt ist halt so und war immer so. Irgendwann bekam meine innere Haltung den Namen Blockade, die mich daran hinderte meinen Weg zu gehen. Dabei war es nur eine von vielen Ideen wie das Leben sein könnte.

Grund #4: Mein Leben eine Ansammlung von Gewohnheiten

Alles was ich tue, habe ich mir über viele Jahre meines Lebens zur Gewohnheit gemacht. Sei es das abendliche Fernsehen, das ungesunde Essen, selbst den Drang mich ständig beeilen zu müssen.

Wenn ich etwas ändern möchte, funktioniert es nicht, wenn ich meine alten Gewohnheiten wegmachen möchte. Wenn ich heute beschließe kein Fernsehen mehr zuschauen, was mache ich dann?

Es ist viel einfacher mir gesunde und erfolgreiche Gewohnheiten zuzulegen. Zum Beispiel könnte ich zweimal die Woche abends Sportmachen oder Spazieren gehen. Ich könnte mich einmal die Woche am Abend mit Freunden treffen, in die Sauna gehen, einen Spieleabend einführen und, und, und. Bei so viel Aktivität ist gar keine Zeit mehr das Fernsehen zu vermissen.

Bringe erfolgreiche und gesunde Gewohnheiten in dein Leben

Das funktioniert mit allem. Ich habe aus gesundheitlichen Gründen viele Diäten in meinem Leben machen müssen. Das war nicht immer leicht und hatte immer mit Verzicht zu tun. Der Schritt zur veganen Ernährung war der leichteste für mich. Ich habe mich auf die Dinge konzertiert, die neu in mein Leben gekommen sind. Ich habe so viele neue Rezepte ausprobiert und kennengelernt, dass ich das „alte Essen“ überhaupt nicht vermisst habe.

Und sollte ich es irgendwann doch vermissen, dann kann ich mich ja wieder ändern. Ich bin ja kein Veganer, sondern ich ernähre mich lediglich vorwiegend vegan. 😉

Und ganz wichtig: Ich darf Veränderung leben. Um es zu leben, darf ich es tun. Um es zu tun, darf ich es üben. Eines nach dem anderen, in kleinen Schritten und am besten täglich. Und irgendwann ist sie so alltäglich wie heute, der Feierabend auf der Couch.

Viel Spaß beim Üben.

Willkommen im Leben.

Herzliche Grüße,