Innere Antreiber – So erkennen und lösen Sie Stress

Nov 11, 2021

Kommt Ihnen das bekannt vor?

Ich bin mir sicher, Sie kennen diese innere Stimme, die Sie immer wieder dazu bringt, sich zu beeilen, obwohl Sie wissen, dass Sie mit Ruhe mehr und vorallem besser erledigt bekommen. Vielleicht zwingt dieser innere Kritiker Sie auch stets mehr als 120% zu geben oder zu vielem Ja zu sagen, was Sie eigentlich gar nicht tun möchten?

Damit befinden Sie sich in guter Gesellschaft. Jeder kennt solche Gedanken, und wir nennen diese Denkmuster auch die inneren Antreiber. Es sind Eigenschaften unserer Persönlichkeit, die unser Denken, Fühlen und Handeln maßgeblich bestimmen. Besonders in Stress- bzw. in Konfliktsituationen werden sie oft aktiv und behindern einen konstruktiven Umgang mit der Situation.

Was sind die inneren Antreiber?

Die inneren Antreiber beruhen auf Glaubenssätzen, die wir in aller Regel so stark verinnerlicht haben, dass sie uns nicht mehr bewusst sind. Diese treiben uns von innen heraus an und bestimmen vor allem in Stresssituationen unsere Verhaltensweisen.

Das Modell der inneren Antreiber von Taibi Kahler aus dem Jahr 1977 ist Teil der Transaktionsanalyse (TA). Diese ist eine psychologische Theorie menschlicher Persönlichkeitsstrukturen. Sie wurde Mitte des 20. Jahrhunderts von Eric Berne begründet und wird ständig weiterentwickelt. Als Psychiater bezog Berne seine Theorie ursprünglich auf psychische Krankheiten und Störungen in der Kommunikation und Kooperation.

Die Beobachtungen von Kahler zeigten, dass Menschen bestimmte Verhaltensgewohnheiten gemeinsam haben und zu manchen eher neigen als zu anderen. Er fasste diese Verhaltensweisen in fünf Typen zusammen – die sogenannten inneren Antreiber

Die fünf inneren Antreiber

Die fünf inneren Antreiber lauten:

    • Sei perfekt!
    • Mach es allen recht!
    • Beeil dich!
    • Streng dich an!
    • Sei stark! Sei vernünftig!

Nach Kahler haben wir alle diese inneren Antreiber in uns. Meist ist jedoch einer von ihnen besonders stark ausgeprägt. Hierbei spricht man auch von einem „Primärantreiber“. Dieser zeigt sich meist besonders deutlich, wenn wir im Stress sind oder im Zusammenspiel mit anderen Menschen. Manchmal kann dieser auch erst der Auslöser für Stress sein oder uns regelrecht in eine Stressspirale katapultieren. Der Ursprung liegt hierbei sehr oft in der Kindheit. Wir haben gelernt, dass durch ein bestimmtes Verhalten unsere Grundbedürfnisse besser erfüllt werden. Nach Schulz von Thun lassen sich die Grundbedürfnisse in die folgenden vier zusammenfassen: wertvoll sein, geliebt sein, frei sein, verbunden sein.

Warum stressen uns die inneren Antreiber?

Eigentlich stehen hinter diesen inneren Antreiber positive Eigenschaften. Perfektion, der Wunsch nach Harmonie, alles möglichst schnell erledigt bekommen, Fleiß und sich bemühen. Alles Persönlichkeitseigenschaften, die uns im Beruf und in der Zusammenarbeit mit anderen Menschen Vorteile bringen und oft wünschenswert sind.

Hier geht es um das rechte Maß. Das heißt, erst, wenn wir mit einer dieser Persönlichkeitseigenschaften übertreiben, verursachen sie Stress und wirken sich negativ aus. Sie haben wie alles im Leben immer zwei Seiten

Vor- und Nachteile der verschiedenen inneren Antreiber

 

Innerer Antreiber

Vorteilhafte Auswirkungen

Nachteilige Auswirkungen

Männchen auf Siegerpodest

Sei perfekt!

Diese Menschen haben einen Sinn für Vollkommenheit und einen Blick für Detail. Sie liefern ihre Arbeitsergebnisse in einer hohen Qualität und besitzen eine hohe Planungskompetenz. Menschen mit diesem Treiber arbeiten oft langsam, benötigen für ihre Entscheidungs- und Arbeitsprozess viele Informationen und viel Zeit. Sie verlieren sich gerne in Details.

Der Chef spült selbst

Mach es allen recht!

Einerseits besitzen diese Menschen eine hohe soziale und emotionale Kompetenz. Sie arbeiten gut im Team und schaffen eine harmonische Atmosphäre. Andererseits können sie nur schwer Nein sagen. Sie sind nicht sonderlich kritikfähig. Sie stellen die Anliegen der anderen über die eigenen und vernachlässigen damit oft die eigenen Bedürfnisse.

Männchen rennt mit Saubwolke

Beeil dich!

Diese Menschen sind sehr aktiv. Sie arbeiten schnell und sie sind sehr entscheidungsfreudig. Sie neigen zur Ungeduld. Sie reden sehr schnell und unterbrechen andere gern. Sie kontrollieren ihre Arbeit nicht und liefern so häufig Arbeiten mit einer geringen Qualität. Sie sind oft unvorbereitet und es fehlt ihnen die Übersicht.

 

Männchen mit schwerem Rucksack

Streng dich an!

Menschen mit diesem Treiber sind sehr begeisterungsfähig, Sie arbeiten sehr engagiert, streben ständig nach Verbesserungen und sind sehr kreativ. Andererseits sind sie schnelle Überforderung. Bei gleichförmigen Aufgaben haben sie ein geringes Durchhaltevermögen. Sie überschreiten immer wieder ihre geistigen und körperlichen Grenzen

Männchen zerschlägt Brett

Sei stark! Sei vernünftig!

Diese Menschen strahlen eine hohe Autorität aus. Sie besitzen ein großes Durchhaltevermögen und eine hohe Belastbarkeit Sie weigern sich Hilfe anzunehmen und lassen nur ungern oder gar keine Gefühle zu. Gegenüber ihren Mitmenschen sind sie eher misstrauisch. Sie sind die klassischen Einzelkämpfer

 

Wie hilft Resilienz?

Im ersten Schritt benötigen wir eine klare Selbstwahrnehmung. Es gilt sich erst einmal bewusst zu werden, wann ich im Stress bin. Welche Situationen bzw. welche Menschen aktiveren welchen Antreiber in mir?

Um Stress zu erkennen, hilft uns unser Körper. Er zeigt uns klare Signale, wie Schweißbildung, Verspannungen, Enge im Hals oder Brustkorb. Manchmal liegt uns auch etwas im Magen, wir atmen sehr flach oder unsere Gedanken schlagen Loopings in unserem Kopf.

Selbstwahrnehmung durch Meditation und Achtsamkeit schärfen

Um Stress und seine Auswirkungen auf unseren Körper besser wahrzunehmen, hilft Ihnen bereits ein kurzes Innehalten. Nehmen sie achtsam Ihre Gedanken und Befindlichkeiten wahr. Bereits eine einminütige Meditation kann Ihnen nicht nur helfen Stress wahrzunehmen, sondern auch aktiv zum Stressabbau beitragen.

Haben Sie den Antreiber entlarvt, dann gehen Sie Ihren Motiven auf den Grund. Welches Ziel verfolgen Sie aktuell tatsächlich mit Ihrem Verhalten? Am Anfang ist die Beantwortung dieser Frage nicht immer leicht. Mit etwas Übung gelingt Ihnen das zunehmend besser. Hilfreich ist es in jedem Fall sich über das, was Ihnen wirklich wichtig ist, bewusst zu sein.

Etablieren Sie die passenden Erlauber

Ebenso helfen sogenannte Erlauber die Wirkung der inneren Antreiber abzuschwächen. Diese sind nichts anderes als positive Glaubensätze, die den einzelnen Antreibern gegenüberstehen.

Erlauber können Schritt für Schritt den inneren Antreiber, die in bestimmten Situationen für Stress sorgen, aufzulösen. Dies können ganz individuell auf Sie zugeschnittene Sätze sein. Hier finden Sie ein paar allgemeine Beispiele.

So wie Sie ohne Wertung das Abschweifen Ihrer Gedanken wahrnehmen, nehmen Sie auch wahr, dass Sie wieder einmal Ihrem inneren Antreiber aufgesessen sind. Anschließend gilt es sich zu beruhigen, zu überlegen, was Ihr Ziel in dieser Situation ist und wie Sie gerne reagieren bzw. handeln wollen.

 

Innerer Antreiber

Erlauber, er wirkt den nachteiligen Glaubenssätzen entgegen

Männchen auf Siegerpodest

Sei perfekt!

80% ist in vielen Situationen gut genug.

Ich darf aus Fehlern lernen.

Der Chef spült selbst

Mach es allen recht!

Meine Bedürfnisse sind wichtig und ich darf mich um mich selbst kümmern.

Ich darf Nein sagen.

Männchen rennt mit Saubwolke

Beeil dich!

Ich darf mir für mich und meine Aufgaben Zeit nehmen.

Ich darf Pausen machen.

Männchen mit schwerem Rucksack

Streng dich an!

Arbeit darf Spaß machen und sie darf leicht gehen.

Männchen zerschlägt Brett

Sei stark! Sei vernünftig!

Ich darf um Unterstützung bitten und Hilfe annehmen.

Ich darf meine Gefühle und meine Schwächen zeigen.

Haben Sie Geduld

Meist begleiten uns diese Antreiber über einen sehr langen Zeitraum und unsere Verhaltensmuster haben sich tief in unser Unterbewusstsein eingegraben. Es gilt hier sich immer wieder zu erinnern und zu üben.

Gehen Sie in Situationen, in denen es mal nicht funktioniert, liebevoll und wertschätzend mit sich um. Auch hier hilft uns die Praxis der Mediation.

So wie Sie ohne Wertung das Abschweifen Ihrer Gedanken wahrnehmen, nehmen Sie auch wahr, dass Sie wieder einmal Ihrem inneren Antreiber aufgesessen sind. Anschließend gilt es sich zu beruhigen, zu überlegen, was Ihr Ziel in dieser Situation ist und wie Sie gerne reagieren bzw. handeln wollen.