…ENTFLAMMT STATT AUSGEBRANNT

Weihnachten… die stille und ruhige Zeit des Jahres. Die Zeit der Lichter und des Rückzugs. Die Welt wird dunkler und lädt zur Innenschau ein… Jetzt aber mal halblang. Das ist Weihnachten schon lange nicht mehr. Weihnachten ist Konsum, ausschweifende Weihnachtsfeiern und jedes Jahr der gleiche Stress.

An Weihnachten scheiden sich die Geister

Was für ein Typ bist du? Liebst du den Zauber von Weihnachten? Liebst du die Lichter und die Wärme, die es verströmt. Oder feierst du Weihnachten nur deiner Familie zu liebe? Eigentlich würdest du viel lieber unter Palmen liegen? Vielleicht sitzt du ja schon im Flugzeug.

Der jährliche „Weihnachts-Burnout“

Für viele ist die Vorweihnachtszeit und Weihnachten purer Stress und endet mit der völligen Erschöpfung. Es gibt viele Dinge, die zu Weihnachten gehören und die uns in das Gefühl von Weihnachten versetzten. Die Frage ist, für wen oder was machst du das?

Kommen dir der ein oder andere Gedanken bekannt vor?

  • Dieses Jahr bastle ich einen ganz besonderen Adventskranz. Der von Dörte sah letztes Jahr einfach fantastisch aus.
  • Für die Kinder lasse ich mir einen besonders spannenden Adventskalender mit ganz erlesenen Geschenken einfallen, damit sich die Kinder auch wirklich freuen. Letztes Jahr habe sie sich beschwert, dass der Kalender langweilig war.
  • Die Lichterketten an unserem Haus und im Garten werde ich dieses Jahr etwas aufrüsten. Naja, das ist so ein kleiner Wettkampf mit dem Nachbarn.
  • Dieses Jahr backen ich mindesten zehn verschiedene Plätzchensorten. Und ich habe mir ein Buch für handgemachtes Konfekt gekauft. Die Frau meines Bruders backt auch immer so viele. Und die Kinder essen sie halt so gerne.
  • Die Weihnachtspost muss auch noch geschrieben werden. Letztes Jahr habe ich noch einige unerwartete Weihnachtsgrüße bekommen. Dieses Jahr darf ich diese Menschen nicht vergessen. Dafür muss ich mir mindestens zwei Abende reservieren.
  • Außerdem brauche ich noch neue Weihnachtsdekoration. Die alte kennt die ganze Familie schon und meine Schwiegermutter hat auch immer ein perfekt geschmücktes Haus.
  • Für das Weihnachtsessen muss ich auch noch zum Markt. Alles frisch. Dieses Jahr gibt es ein 5-Gänge Menü. Die ganze Familie kommt zu uns. Und es soll ihnen ja gefallen und vor allem schmecken. Das heißt am ersten Weihnachtsfeiertag muss ich bereits um 6:00 Uhr aufstehen, damit alles rechtzeitig fertig wird.
  • Es fehlen auch noch einige Geschenke. Meine Kinder haben einfach schon alles. Was kann ich ihnen schenken, damit Weihnachten auch für sie etwas ganz besonders wird. Tante Berte und Onkel Franz darf ich dieses Jahr auch nicht vergessen.
  • Und der Weihnachtsbaum braucht auch mal wieder ein neues Kleid. Ich finde er könnte noch etwas prächtiger und schöner werden. Er soll doch alle verzaubern.

Wenn du all diese Dinge gerne und mit Leidenschaft tust, dann „Go for it!“

Wenn du es für andere tust, weil es halt so sein muss, oder um anderen zu zeigen, wie toll du bist, dann lass es sein. Dann beginnt die Stressspirale.

Die Geschichte vom Weihnachts-Burnout

Es ist wieder November. Weihnachten steht schon fast vor der Türe. Die Gemeinden und Städte sind dabei, die Straßen zu schmücken. In den Geschäften gibt es schon seit zwei Monaten Lebkuchen und Spekulatius. Jetzt sind die Schaufenster schon alle geschmückt.

Der Zwang sich zu beweisen

Emma beschließt für sich: „Dieses Jahr wird das beste Weihnachten aller Zeiten. Dieses Jahr werden alle zufrieden sein und es gibt keine enttäuschten Gesichter. Ich weiß doch, was meine Lieben sich wünschen.“

Verstärkter Einsatz

Sie gibt richtig Gas. Sie sucht tagelang nach einer neuen Bastelidee für den Adventkalender. Die Kinder werden stauen. In der Nacht näht sie die Täschchen für den Kalender und in der Mittagspause sucht sie Geschenke für den Kalender. Auch der selbstgemachte Adventskranz erstrahlt in neuem Design. In Ihrer Küche schaut es bereits aus wie in einer Konditorei.

Subtile Vernachlässigung der eigenen Bedürfnisse

Wenn Freundinnen sich bei ihr melden, um einen gemeinsamen Abend zu verbringen, sagt sie ab. Der Sport muss auf das neue Jahr warten und die morgendliche Meditation fällt dem Basteln, dem Shoppen und der Planung zum Opfer.

Verdrängung von Konflikten und Bedürfnissen

Emma beginnt immer öfter Ihre Lustlosigkeit mit Alkohol, Plätzchen und Lebkuchenessen zu verdrängen. Wenn Sie in der Nacht nicht schlafen kann, spielt sie ein Computerspiel. Irgendwann fallen Ihr vor Erschöpfung die Augen zu.

Umdeutung von Werten

Weihnachten ist für Emma schon lange nicht mehr das Fest der Liebe und der Lichter, sondern vielmehr das Fest, des Prunks und der Geschenke. Es muss immer mehr und immer besser sein, damit es sie noch berühren kann.

Verstärkter Einsatz, leugnen von Problemen

Sie verstärkt den Einsatz. Sie kauft den schönsten Weihnachtsbaum beim zehnten Stand, den sie sich angeschaut hat. Die Geschenke werden immer mehr und immer teurer. Sie würde ja besser schlafen, wenn der Verkehr nicht immer so laut wäre. Und Emma würden auch entspannt shoppen gehen, wenn nicht alle anderen zur gleichen Zeit auch unterwegs wären.

Rückzug

Kurz vor den Feiertagen hängt ihr das ganze Weihnachten dermaßen zum Hals heraus. Sie surft im Internet und sucht nach Last-Minute-Reisen in die Südsee oder in die Karibik. Einfach Füße hochlegen. In der Sonne und im Meer baden. Nichtstun.

Beobachtbare Verhaltensveränderung

Letzte Woche hat Emma heulend das Meeting verlassen, weil jemand ihre Arbeit kritisiert hat. Bei der Weihnachtsfeier hat sie zu tief ins Glas geschaut. Ihre letzte Erinnerung war, dass sie mit einem Kollegen auf dem Tisch getanzt hat. An mehr kann sie sich nicht mehr erinnern. Seitdem schauen sie ihre Kollegen so komisch an.

Depersonalisierung

Emma fühlt sich mehr und mehr fremd gesteuert. Wie eine Marionette hetzt sie durch ihr Leben. Sie fragt sich immer öfter, was ihr Leben eigentlich noch mit ihr selbst zu tun hat.

Innere Leere

Immer öfter fühlt sich Emma innerlich leer. Besonders schlimm ist es am Abend und in der Nacht, wenn es ruhig wird. Damit sie die Leere nicht so sehr wahrnimmt, geht sie zum Tanzen in die Disko, schaut Fernsehen oder spielt am Computer.

Depression

Am Heiligen Abend, der Weihnachtsbaum ist geschmückt. Die Geschenke sind eingepackt. Ihr Mann ist mit den Kindern unterwegs. Sitzt sie mit einem Glühwein vor dem Weihnachtsbaum und kann ihre Tränen nicht mehr stoppen. Es sollte doch das schönste Weihnachten aller Zeiten werden. Was ist falsch gelaufen. Was kann sie nächstes Jahr noch besser machen?

Völlige Erschöpfung

Endlich ist es soweit. Bescherung. Die Kinder reißen die Geschenke auf. Es fällt ein Wort darüber, dass der Pulli nicht die richtige Farbe hat. Das kann wohl nicht sein. „Ich habe mir so viel Mühe gegeben und euch ist es immer nicht gut genug.“ Es kommt zu einem großen Streit, am Ende sitzen alle in getrennten Zimmern… Frohe Weihnachten.

Wer ist für den Weihnachtszauber verantwortlich?

Auch für mich ist Weihnachten nicht immer ganz so leicht. Möchte ich doch auch für alle den Zauber von Weihnachten heraufbeschwören und wie in meiner Ursprungsfamilie so üblich, fühle ich mich dafür zuständig.

Wie ist das in deiner Familie? Trägst du die ganze Verantwortung für den Weihnachtszauber in deiner Familie?

Ich habe in den letzten Jahren schon einige Dinge losgelassen und umorganisiert. Ich habe viele meiner Motive überprüft und jedes Jahr kommen sie wieder auf den Prüfstand. Und jedes Jahr wird es wieder etwas leichter.

Was sind deine Motive?

  • Was machst du, weil du es machen möchtest, weil es für dich Weihnachten ist?
  • Was machst du, um es anderen recht zu machen?
  • Was machst du, um von anderen Anerkennung zu bekommen?
  • Was tust du aus Liebe und mit tiefster Überzeugung?
  • Was kannst du an andere delegieren?
  • Wo darf es für dich noch leichter gehen?

Was machst du dieses Jahr anders?

Ich habe mich lange gefragt, was mache ich dieses Jahr anders als letztes Jahr. Alle Rituale, die wir in der Familie haben, haben einen guten Grund und wollte ich nicht verändern. Vielleicht auch noch nicht.

Nach einigen Tagen des Überlegens, hatte ich für mich die Idee. Ich mache dieses Jahr alles, was ich für Weihnachten tue, mit Liebe oder gar nicht. Frei nach dem Motto:

Wenn du etwas tust, dann tue es richtig.

Da Weihnachten das Fest der Liebe ist, ist richtig tun für mich, all die Vorbereitungen mit Liebe zu tun. Einen Adventskalender, einen Adventskranz, einen Weihnachtsbaum, Genschenke etc. brauchen wir so oder so. Zumindest solange meine Tochter noch so klein ist.

Warum es dann nicht einfach mit Liebe tun?

Ist Weihnachten für dich das Fest der Liebe oder ist es Stress oder vielleicht von beidem etwas?

Ich freue mich über euere Kommentare.

Und damit wünsche ich dir und deinen Lieben ein frohes, entspanntes und besinnliches Weihnachten.

 

Entdecke die Kraft!

Herzliche Grüße,